Tagesordnungspunkt

TOP Ö 3.2: Änderung des Flächennutzungsplanes Burghausen mit integriertem Landschaftsplan zum Vorhaben "Photovoltaikanlage Hieringer Feld" südlich der Bahnlinie Tüßling-Burghausen, westlich Lindach, im Parallelverfahren - Feststellungsbeschluss

BezeichnungInhalt
Sitzung:18.04.2012   StR/004/2012 
Beschluss:ungeändert beschlossen
Abstimmung: Ja: 23, Nein: 0
DokumenttypBezeichnungAktionen

Entsprechend der Empfehlung fasst der Stadtrat folgenden Beschluss:

 

I. Abwägung zu den Stellungnahmen aus der förmlichen Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit

 

Abwägung zu den Stellungnahmen aus der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange (§ 4 Abs. 2 BauGB) und der Öffentlichkeit (§ 3 Abs. 2 BauGB):

Zur Vollständigkeit werden die eingegangenen Stellungnahmen der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange zur Kenntnis genommen, die keine Anregungen und Bedenken geäußert haben. Es sind dies: Gemeinde Burgkirchen, Wasserwirtschaftsamt Traunstein, Regierung von Oberbayern - Höhere Landesplanungsbehörde und Regionaler Planungsverband Südostoberbayern.

 

Zum Schreiben des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vom 27.02.2012

In der Änderung des Flächennutzungsplanes wird keine Detailschärfe angewandt, die zur Abwägung über die Formulierung des Ausschlusses einer Entschädigungsleistung veranlasst. Diesbezüglich wird auf die Abwägung zum Bebauungsplan Nr. 93 verwiesen. 

Mit allen 23 Stimmen

 

Zum Schreiben des Landratsamtes Altötting vom 20.03.2012

Zu Sachgebiet 53 (Landschaftspflege, Grünordnung und Gartenbau):

Auf die bereits vollzogene Abwägung unter Punkt II. wird in Bezug auf die weitere Anregung des Sachgebietes 53 zusätzlich verwiesen. Die im Bebauungsplan festgesetzte Hecke (G1 – G3) wird vom Stadtrat in der Breite von 4 m laut Pflanzschemata im Umweltbericht weiterhin als ausreichend breit zur Erfüllung der ökologischen Funktion erachtet. Die festgesetzte Höhenentwicklung wird in der Sichtschutzfunktion ebenfalls als ausreichend beurteilt. Bezüglich des Grenzabstandes ist folgendes auszuführen. Die Festsetzungsvorschläge im Bebauungsplan stehen nicht im Widerspruch zu nachbarrechtlichen Abstandsvorgaben nach dem AGBGB. Die Abstandsvorgabe nach Art. 47 Abs. 1 AGBGB (2 m von der Grenze des Grundstücks, sofern die Hecke über 2 m hoch ist) wird eingehalten. Die Abstandsvorgabe nach Art. 48 Abs. 1 AGBGB (4 m von der Grenze des Grundstücks, sofern eine Höhe von 2 m überschritten wird) greift vorliegend nicht. Art. 48 Abs. 1 AGBGB gilt nach seinem ausdrücklichen Wortlaut allein für „Bäume“. Dessen ungeachtet ist, worauf hier lediglich vorsorglich hinzuweisen ist, auch nicht ersichtlich, dass durch die vorliegend festgesetzte Höhe von 3 m eine Schmälerung des Sonnenlichts für das benachbarte Grundstück verursacht werden könnte, die sich als erhebliche Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Bestimmung des Grundstücks erweist. Indiziert wird dies bereits durch den Umstand, dass die Hecke in nördlicher Ausrichtung zu dem in Rede stehenden (benachbarten) landwirtschaftlichen Grundstück realisiert werden wird. Auf den Flächen der Flst. Nrn. 338, 346 und 346/1 werden die Abstandsflächen innerhalb der südlich anschließenden Teilgrundstücke (Eigentum der Stadt bzw. Vereinbarung mit dem bisherigen Eigentümer zur Übernahme der Abstandsflächen auf dem verbleibenden Grundstück) kompensiert. Auch wird in der Begründung zur Änderung des Flächennutzungsplanes keine Aussage zur Festlegung der Nutzungshöhen von Hecken getroffen. Diesbezüglich wird auf die Abwägung zum Bebauungsplan Nr. 93 verwiesen.

Zu Immissionsschutzgesetz:

Es wird positiv zur Kenntnis genommen, dass mit den Ausführungen im Umweltbericht zum Schutzgut Mensch (Kapitel 6.6) Einverständnis besteht.

Zu naturschutzfachlicher Stellungnahme:

Es wird zur Kenntnis genommen, dass die Untere Naturschutzbehörde den Standort aufgrund der Nutzung als Sondergebiet „Photovoltaik-Freiflächenanlage“ bezüglich der Ziele und Anforderungen an den Naturhaushalt und das Landschaftsbild als gut geeignet und konfliktarm betrachtet. Die übrigen Feststellungen werden zur Kenntnis genommen.

Mit allen 23 Stimmen

 

II. Ergänzende Abwägungen zu bereits früher vorgetragenen Gesichtspunkten

Nachstehend werden Gesichtspunkte aufgeführt und abgewogen, die im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung vorgebracht wurden und die gegenwärtige Beschlusslage wie folgt ergänzen bzw. modifizieren:

 

Betroffenheit hinsichtlich der Waldwirtschaft und Landwirtschaft

Bereich Landwirtschaft

Die Inanspruchnahme von landwirtschaftlichen Nutzflächen wurde vom Stadtrat bedauert. Aufgrund der Regelungen nach § 32 Erneuerbare Energien Gesetz (EEG 2012) wurde aufgrund fehlender geeigneter Alternativen die Inanspruchnahme der landwirtschaftlich genutzten Flächen entlang der Bahnlinie Tüßling – Burghausen als unausweichlich betrachtet. Es dient insbesondere zur Zielerreichung der Stadt Burghausen, einen möglichst großen Anteil an regenerativer Energieerzeugung im Stadtgebiet zu realisieren. Die Flächengröße der geplanten Photovoltaikanlage wurde vom Stadtrat zur sinnvollen Konzentration von Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung im Stadtgebiet als angemessen, notwendig und städtebaulich erwünscht abgewogen. Bezüglich angeregter Leitungs- und Fahrtrechte wurde auf die Aufnahme im Bebauungsplan Nr. 93 verwiesen. Es wurde erachtet, dass die geregelte landwirtschaftliche Nutzung auf den südlich und östlich anschließenden landwirtschaftlichen Nutzflächen durch die geplante Photovoltaikanlage über das bisherige Maß hinausgehend nicht weiter eingeschränkt wird. Bezüglich befürchteter Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Photovoltaikanlage geht die Stadt Burghausen davon aus, dass die Landwirte auf den benachbarten Nutzflächen eine entsprechend fachgerechte Feldbestellung vornehmen, um z.B. Unfallgefahren durch Steinschlag, etc. zu vermeiden. Ein geforderter Haftungsausschlusses wurde mit Verweis auf rein zivilrechtliche Haftungsfragen nicht befürwortet. Eine erhöhte Gefahr, dass durch die Pflege der Flächen im Bereich der Anlagen im Schreiben bezeichnete Schadpflanzen eine Beeinträchtigung der Kulturpflanzen bewirken wird nicht nachvollzogen.

Bereich Forsten

Eine Beeinträchtigung der Waldnutzung durch die geplanten Photovoltaikanlagenfläche wurde u.a. auch aufgrund der Situierung der Baugrenze zur Eingrenzung der möglichen Flächen mit Photovoltaikmodulen im parallel erstellten Bebauungsplan in einem ausreichenden Abstand zum Wald (ca. 25 - 27 m bis zur Baugrenze) nicht nachvollzogen. Eine weitere Abwägung zu diesem Belang wird ergänzend auf den Bebauungsplan Nr. 93 verwiesen.  

Mit allen 23 Stimmen

 

Betroffenheit hinsichtlich der Wasserwirtschaft und dem Brandschutz

Bezüglich der Versickerung von Oberflächenwasser sieht der Stadtrat durch die Nutzung als extensive Wiese unter den Solarmodulen keine negativen Auswirkungen auf die Filter- und Reinigungswirkung des Bodens. Auch bei Nebenanlagen wie Betriebsgebäude fällt kein Schmutzwasser an, eine Gefährdung von Grundwasser wird daraus nicht gesehen. Bei einer Baugenehmigung der Betriebsanlagen soll die Eignung des Untergrundes zur Versickerung geprüft werden. Dem wird auch im Bebauungsplan Nr. 93 mit dem Zusatz „ … soweit wasserrechtlich zulässig und dem vorsorgenden Gewässerschutz genügend …“ in den Festsetzungen zur Ver- und Entsorgung Rechnung getragen. Zum Ausschluss von Gefährdungen wird im Bebauungsplan Nr. 93 unter Punkt Nebenanlagen festgesetzt: … Nebenanlagen sind nur innerhalb der Baugrenzen und ausnahmsweise bei Feststellung der Grundwasserverträglichkeit innerhalb der Wasserschutz Zone III zulässig. Gründungen, auch die der Solarmodule, dürfen keine grundwasserschützenden Deckschichten durchstoßen. …“. Der Stadtrat nimmt zur Kenntnis, dass dem Wasserwirtschaftsamt Traunstein keine Altlasten im Planungsgebiet bekannt sind. Dem Schutz vor einer Überbauung der vorhandenen Trinkwasserleitung im Änderungsbereich wurde entsprochen. In den Bebauungsplan Nr. 93 wurde ein Leitungs- und Befahrungsrecht für die Stadtwerke zur Ermöglichung von Kontroll-, Reparatur- und Wartungszwecken der bestehenden Wasserleitung aufgenommen – eine Überbauung mit Solarmodulen oder sonstigen Einrichtungen wurde als nicht zulässig erachtet, insoweit nicht eine Verlegung der Wasserleitung außerhalb der Baugrenzen mit den Stadtwerken Burghausen bewerkstelligt wird. Bezüglich des Brandschutzes wird der vorhandene Weg für eine Befahrung durch die Feuerwehr aufrecht erhalten. Eine Wasserversorgung zum Brandschutz wurde als nicht notwendig erachtet. Im Bebauungsplan Nr. 93 wurde die Beachtung der Vorschriften für den vorbeugenden Brandschutz innerhalb der gesamten Photovoltaik-Freiflächenanlage festgesetzt.

Mit allen 23 Stimmen

 

Betroffenheit bezüglich des Denkmalschutzes

Die Baudenkmale D-1-71-112-312 Wegkapelle, sog. Frankenberger-Kapelle, bez. 1852, Flur Lindach und D-1-71-112-313 Bildstock, sog. Hieringer Bildstock, Mitte 19. Jh, Kapellenfeld sind in der aktuellen Denkmalliste der Stadt Burghausen als Teil des gültigen Flächennutzungsplanes erfasst. Da bisher keine Veränderungen an den beiden Denkmalobjekten geplant sind, wurde auf die Aufnahme eines entsprechenden Hinweises im Bebauungsplan Nr. 93 verwiesen, der lautet: „Bei Veränderungen an den Denkmälern D-1-71-112-312 Wegkapelle, sog. Frankenberger-Kapelle, bez. 1852, Flur Lindach und D-1-71-112-313 Bildstock, sog. Hieringer Bildstock, Mitte 19. Jh, Kapellenfeld oder im Nähebereich gelten die Bestimmungen des Art. 4-6 DSchG. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege weist darauf hin, dass sie bei allen Planungs-, Anzeige-, Zustimmungs- sowie Erlaubnisverfahren nach Art. 6 DSchG und bei allen baurechtlichen Genehmigungsverfahren, von denen Baudenkmäler/Ensembles unmittelbar oder in ihrem Nähebereich betroffen sind, zu beteiligen ist.“ Dies gilt ebenfalls für einen Hinweis zum Bodendenkmalschutz, der im Bebauungsplan Nr. 93 aufgeführt ist.

Mit allen 23 Stimmen

 

Betroffenheit hinsichtlich der Landesplanung

Die Darstellung der Photovoltaikfreiflächenanlage in der Änderungfassung des Flächennutzungsplanes wurde aus der Sicht der höheren Landesplanungsbehörde, als den raumordnerischen Erfordernissen einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung (vgl. IMS der Obersten Baubehörde vom 19.11.2009 und 14.01.2011 – Az. IIB5-4112.79-037/09) und einer nachhaltigen Energieversorgung genügend, bewertet. Den Belangen von Natur und Landschaft wird in Verbindung mit einer ausreichenden Eingrünung der Maßnahme in einer engen Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde Rechnung getragen. Hierbei wird auch auf die Abwägung zum Bebauungsplan Nr. 93 „Photovoltaikanlage Hieringer Feld“ verwiesen.

Mit allen 23 Stimmen

 

Betroffenheit hinsichtlich der bestehenden benachbarten Bahnanlagen

Die Photovoltaikanlage wird im Abstand von mindestens 13 m zur Bahnlinie (Außengrenze) errichtet. Am Rand wird eine mindestens 4 m breite Eingrünung vorgesehen. Die Modulelemente werden nach Süden geneigt in Gegenrichtung der Bahnlinie aufgestellt. Eine Blendung des Eisenbahnpersonals und eine Verwechslung mit Signalbegriffen der Eisenbahn sieht die Stadt als nicht gegeben an. Das Eisenbahnbundesamt, Außenstelle München, Arnulfstraße 9/11, 80335 München wurde im Beteiligungsverfahren nach § 4 Abs. 2 BauGB abgefragt. Die Abwägung dazu wird unter Punkt I. im Bebauungsplanverfahren aufgeführt.

Mit allen 23 Stimmen

 

Betroffenheit der Sparten- und Medienträger

Im dargestellten Nutzungsbereich der geplanten Photovoltaikanlage befinden sich Versorgungseinrichtungen der E.ON Bayern AG. Die E.ON Bayern AG wird weiter am Verfahren zur Genehmigung der „Photovoltaikanlage Hieringer Feld“ bis zur Ausführung der Anlagen mit Klärung von Detailfragen beteiligt. Die Stadt Burghausen wird sich bei Straßenbau- und Erschließungsmaßnahmen vor dem Beginn konkreter Baumaßnahmen mit der E.ON Bayern AG in Verbindung setzen. Die Netzverträglichkeit zum reibungslosen Anschluss der Eigenerzeugungsanlage sowie die Berechnung des Netzanschlusspunktes mit Festlegung des Verknüpfungspunktes wurden bereits abgehandelt. Der Anschlusspunkt wurde festgelegt. 

Mit allen 23 Stimmen

 

Betroffenheit hinsichtlich städtebaulicher Gestaltungsmöglichkeiten

Zur besseren Kennzeichnung und Klarstellung des Änderungsbereiches wurde der Anregung des Sachgebietes 52 (Hochbau) am Landratsamt Altötting mit der Darstellung einer unterbrochenen Linie um den sich ändernden Nutzungsbereich bei entsprechender Erklärung unter Hinweise/Planzeichen nachgekommen. Ausschließlich die geänderten Nutzungen wurden in der Änderungsdarstellung farbig aufgeführt. In der Planzeichnung nicht vorkommende Zeichen wurden aus der Legende herausgenommen.

Mit allen 23 Stimmen

 

Betroffenheit hinsichtlich der Grünordnung und Landespflege

Entgegen der Anregung zu einem breiteren Eingrünungsstreifen wurde der dargestellte Eingrünungsstreifen in einer Breite von 4,0 m, mit 0,5 m Saumstreifen zum Pflegeweg der Photovoltaikanlage hin, als ausreichend abgewogen. Dies wurde u.a. mit dem sparsamen Umgang landwirtschaftlicher Nutzflächen begründet. Im Bereich der Flst. Nr. 1282, Gemarkung Raitenhaslach werden Abstandsflächen zu den benachbarten landwirtschaftlichen Nutzflächen in Form von befahrbaren Altgrasstreifen (2,0 m – 4,0 m breit) berücksichtigt. Nach Süden wurden 2,0 m für ausreichend befunden, da sich die Hecke in einer Höhe von 3,0 m bewegt und nordseitig der landwirtschaftlichen Nutzfläche befindet und hier kaum eine Beeinträchtigung bewirkt. Auf den Flächen der Flst. Nrn. 338, 346 und 346/1 wird dies innerhalb des Restgrundstückes (Eigentum der Stadt und Vereinbarung mit dem bisherigen Eigentümer zur Übernahme der Abstandsflächen auf dem verbleibenden Grundstück) kompensiert. Hinsichtlich der Pflege der Hecken wurde auf den Bebauungsplan verwiesen, eine Festlegung einer Mindesthöhe der Gehölze innerhalb der Hecke wurde als nicht notwendig erachtet.

Mit allen 23 Stimmen

 

Betroffenheit hinsichtlich des Natur- und Landschaftsschutzes

Die Belange des Umweltschutzes, des Naturschutzes und der Landschaftspflege wurden im Umweltbericht, als Teil der Begründung abgehandelt. Entsprechende Ausgleichsflächen und
–maßnahmen wurden dem Eingriff zugeordnet. Eine Entscheidung zur Anregung einer Fortschreibung des Landschaftsplanes Burghausen wurde innerhalb dieses Verfahren für nicht erforderlich gehalten. Zu gegebener Zeit will der Stadtrat darüber beraten. Von der Unteren Naturschutzbehörde wurde die Erfüllung der Voraussetzungen des § 32 ErneuerbareEnergienGesetz (EEG 2012) bestätigt.

Mit allen 23 Stimmen

 

Die Änderung des Flächennutzungsplanes mit integriertem Landschaftsplan für den Bereich Baugebiet „Photovoltaikanlage Hieringer Feld“, südlich der Bahnlinie Tüßling-Burghausen, westlich Lindach, im Parallelverfahren mit dem Bebauungsplan Nr. 93 in der Fassung vom 10.04.2012 wird mit den in der Planzeichnung enthaltenen Darstellungen und der Begründung mit Umweltbericht vom 10.04.2012 festgestellt. Die Verwaltung wird beauftragt, die Offenlage und Beteiligung der Behörden und Träger öffentlicher Belange durchzuführen.

Die Verwaltung wird beauftragt, die Planunterlagen am Landratsamt Altötting zur Genehmigung einzureichen

 

Begründung

zur Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Burghausen mit integriertem Landschaftsplan für die Errichtung der “Photovoltaikanlage Hieringer Feld“, südlich der Bahnlinie Tüßling-Burghausen, westlich Lindach, im Parallelverfahren

 

Präambel

Im Rahmen der Initiative der Stadt Burghausen hinsichtlich ihres Entwicklungszieles „Solarstadt Burghausen“ sollen die bisher überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen des Hieringer Feldes südlich der Bahnlinie Tüßling-Burghausen, westlich von Lindach, nördlich von Bergham und östlich des Reichenberger Forstes (siehe Lageplan) für die Errichtung einer Photovoltaik-Freiflächenanlage genutzt werden. Auf den landwirtschaftlichen Flächen sind teilweise Heckenstrukturen vorhanden.

Gemäß EEG 2012, § 32 können Flächen in einem 110 m-Bereich entlang von Schienenverkehrsanlagen in die Förderung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen eingestellt werden. Zur Errichtung der Photovoltaik-Freiflächenanlage ist der Flächennutzungsplan mit integriertem Landschaftsplan entsprechend in eine Sonderbaufläche mit der Zweckbestimmung „Photovoltaikanlage“ zu ändern und im Parallelverfahren mit dem Bebauungsplan Nr. 93 „Photovoltaikanlage Hieringer Feld“ aufzustellen. Gemäß § 2a BauGB ist ein Umweltbericht als Bestandteil der Begründung zu erstellen. Der Umweltbericht ist Bestandteil der Begründung.

Alternativenprüfung

Für das Projekt sind derzeit keine geeigneten Alternativstandorte vorhanden, da das gültige Erneuerbare Energien Gesetz (EEG 2012) Flächen für großflächigere Freiflächenanlagen nur auf Konversionsflächen sowie auf Flächen entlang von Autobahnen und Schienenverkehrsanlagen im Abstand von 110 m zur Förderung und Einspeisung vorsieht. Das Entwicklungsziel der Stadt Burghausen zur Solarstadt Burghausen mit annähernder Stromeigenversorgung aus regenerativen Energien kann auf Basis des EEG 2012 auf keinen geeigneten städtebaulich vertretbaren Flächen und mit entsprechendem Potenzial erreicht werden. Die Inanspruchnahme von landwirtschaftlichen Nutzflächen ist daher unabdingbar und gerechtfertigt.

Planungsgrundlagen

Einordnung in übergeordnete Planungen;

Der gültige Flächennutzungsplan der Stadt Burghausen mit integriertem Landschaftsplan stellt den geplanten Geltungsbereich des Bebauungsplanes als Flächen für die Landwirtschaft dar. Zum Teil sind bestehende und geplante Gehölzflächen mit dargestellt. Im Rahmen der Initiative der Stadt Burghausen hinsichtlich des Entwicklungszieles „Solarstadt Burghausen“ sollen die bisher überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen des Hieringer Feldes südlich der Bahnlinie Tüßling-Burghausen, westlich von Lindach, nördlich von Bergham und östlich des Reichenberger Forstes (Geltungsbereich des Bebauungsplanes) für die Errichtung einer Photovoltaik-Freiflächenanlage genutzt werden. Dazu soll der Flächennutzungsplan der Stadt Burghausen mit integriertem Landschaftsplan im Parallelverfahren mit dem gleichzeitig in Aufstellung befindlichen Bebauungsplanverfahren Nr. 93 geändert werden. Es sollen künftig am Hieringer Feld Flächen für eine Nutzung als Sonderbaufläche mit der Zweckbestimmung „Photovoltaikanlage“ sowie Eingrünungsmaßnahmen und Ausgleichsflächen dargestellt werden. Der Geltungsbereich liegt deutlich außerhalb und damit nicht im oder am Rande des durch Rechtsverordnung festgestellten, nachrichtlich dargestellten Landschaftsschutzgebietes „Unteres Salzachtal“ sowie von FFH-Gebieten (Flächen nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie).

Naturräumliche Zusammenhänge

Der Geltungsbereich liegt auf der Hochterrasse der Salzach ca. 700 – 800 m von den Salzachhängen entfernt. Als Boden ist eine relativ flachgründige Rendzina auf vorwiegend Quartärkiesen anzufinden. Die betreffenden Grundstücke werden bisher als landwirtschaftliche Nutzflächen in Intensivkultur (Mais, Getreide) bewirtschaftet. Im Westen und Osten schließen sich Waldbereiche an, im Westen werden diese in die Waldungen der Gemeinde Mehring weitergeführt. Gehölzstrukturen kommen im Geltungsbereich in Form einer von Nord nach Süden den Geltungsbereich teilenden Hecke und in Form von Wege begleitenden, nach Westen hin dichter werdenden Gehölzen (Birke, Kiefer, Ahorn, etc.) vor. Im östlichen Teil sind die Gehölze sehr spärlich und haben sich vorwiegend durch Selbstanflug am Wegrand entwickelt. Im südöstlichen Teil stockt auf einer von Altgras- und Hochstauden bewachsenen Fläche eine Baumgruppe aus drei Altbäumen, einer Stiel-Eiche, einer Esche und einer Sal-Weide. Südlich vorgelagert, bereits außerhalb des Geltungsbereichs, liegt eine Geländemulde, in die Oberflächenwasser von Süden her über die Gies einfließt.

Erfordernis der Planung

Die Änderung des Flächennutzungsplanes wird erforderlich, um für die bisher intensiv (überwiegend Maisanbau) genutzten Ackerflächen über die Darstellung einer Sonderbaufläche mit der Zweckbestimmung „Photovoltaikanlage“ die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den im Parallelverfahren geführten Bebauungsplan zu erlangen.

Planungsrechtliche Zusammenhänge

Der Planungsbereich stellt eine Fortführung der gewerblichen Strukturen zwischen der Bahnlinie Tüßling – Burghausen und der Burgkirchener Straße dar. Die gewerblichen Strukturen südlich der Bahnlinie im Osten enden bisher an der Bachstraße. Sie werden durch den Weilerbereich von Lindach mit der vorhandenen Kleingartenanlage entlang der Bahn und dem kleinen nach Westen anschließenden Waldstück, des sog. Hitzler Waldes begrenzt. Für die Kleingartenanlage und das Gewerbegebiet Lindach nördlich sind Bebauungspläne vorhanden. Südlich des Geltungsbereiches befinden sich einzelne Gehöfte und Anwesen sowie der Weiler Bergham.

Planungskonzept

Mit der Änderung des Flächennutzungsplanes sollen die als Flächen für die Landwirtschaft dargestellten bisherigen Ackerflächen in ein Sondergebiet mit der Zweckbestimmung „Photovoltaikanlage“ umgewidmet werden. In diesem Zuge werden auch die notwendigen Ausgleichsflächen sowie die bestehende Hecke und die zur Vermeidung von visuellen Beeinträchtigungen bzw. Einbindung in die vorhandene Offenlandschaft geplanten Randeingrünungen dargestellt.

Erschließung

Die Erschließung der geplanten Sonderbaufläche erfolgt von der Bachstraße aus entlang der vorhandenen Kleingartenanlage Lindach über den landwirtschaftlichen Erschließungsweg zwischen dem Bahngleis und dem Hieringer Feld.

Ökologische Auswirkungen der Planung

Im Zuge des Umweltberichtes wurde eine weitgehende Vermeidung und Minimierung des Eingriffes beschrieben. Diese wird im folgenden Bebauungsplan über Festsetzungen konkretisiert. Die erforderlichen Ausgleichsflächen, die aufgrund der Ermittlungen im Umweltbericht festgelegt wurden, sind in der Flächennutzungsplanänderung mit integriertem Landschaftsplan dargestellt. Sie wurden den jeweiligen Sondergebietsabschnitten zugeordnet. Heckenstrukturen zur Einbindung in den Landschaftsraum wurden mit dargestellt. Im Zuge des Bebauungsplanverfahrens wurde ebenfalls ein Umweltbericht und eine zusätzliche spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (saP) erarbeitet, in denen die Festlegungen insbesondere auch für den Artenschutz konkretisiert werden.